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Die Fragwürdigkeit immer dickerer Dämmschichten …

Die Fragwürdigkeit immer dickerer Dämmschichten und
Die dringende Suche nach sinnvolleren Einspareffekten

Prof. Jens P. Fehrenberg, Hildesheim, 2012

Oberstes Gebot des Bauens von Wohnraum und von Arbeitsräumen bleibt die Erfüllung der Forderung nach einer gesunden Inwelt in der sich Menschen wohlfühlen. Dies insbesondere, weil die meisten Menschen in dem industrialisierten Weltteil sich mehr als 90% ihrer Lebenszeit innerhalb gebauter Substanz aufhalten. Daher wird kaum jemand die Auswirkungen von Gebäuden auf die menschliche Psyche und Physis bezweifeln.

Wenn wir dabei Energie, hier vorrangig Heizenergie einsparen wollen, und darauf haben sich die EU und verschärft die Deutsche Regierung per Gesetz festgelegt um das Klima zu retten, dann wird der Fokus auf das Dämmen von Bauteilen gerichtet. Die Dämmstoff-Hersteller haben frühzeitig erkannt, dass sich damit ein gigantischer Markt auftut und intensiv Werbung mit dem „Pelzmantel“ für unsere Häuser geworben. Dabei werden seit Jahren Einsparpotentiale beworben, die häufig bis 70% reichen und dem unkundigen Gebäudeeigentümer suggerieren, dass er allein durch das Bekleben seiner Außenwände seine Heizkosten um 70% reduzieren könne. Das ist nicht nur eine bösartige Täuschung, sondern auch physikalisch grober Unfug.

Beim Verwenden der Berechnungsverfahren, die durch die Normung vorgeschrieben wurden, ist es zwar möglich, durch den Ansatz entsprechend dicker Dämmstoffschichten rein rechentechnisch eine Ersparnis für die „ungestörte Wandfläche“ von 70% zu erhalten. Menschen, die noch über minimale Rechenkunst der Prozentrechnung verfügen, müssen sich vergegenwärtigen, dass nur ein Teil der insgesamt verbrauchten Heizenergie (100%) durch die Außenwände verloren geht. Dieser Anteil schwankt und findet sich in verschiedenen Veröffentlichungen (seriösen und tendenziösen) angegeben mit 11% bis 25%. Wer aber von 25% die beworbenen 70% einspart, verringert seinen Energieeinsatz von 100% letztlich nur auf 82,5%. Das ist zwar auch eine Einsparung, aber die Amortisationsberechnung verändert sich dann dramatisch und ergibt je nach Teuerungsansatz 40 bis 65 Jahre.

Gefühlt verhält es sich so, dass mit doppelter Dämmstoffdicke auch doppelt so viel eingespart wird. So entscheiden sich sparbereite und investitionswillige Gebäudeeigentümer vorrangig für die Verpackung des Hauses, statt zuerst zu prüfen, welche Maßnahme am wirtschaftlichsten ist. Und das ist die Modernisierung der Haustechnik. So schreitet die „Styroporisierung“ (wie ich sie nenne) unserer gebauten Umwelt voran. Und die Regierung schreibt mit Hilfe der Energie-Gesetzgebung immer schärfere Anforderungen für den Wärmeverlustwert (U-Wert in W/m²K) der Bauteile vor, der zu immer dickeren Dämmpaketen führt.

Inzwischen regt sich die Kritik an dieser Verpackungsstrategie, z. B. durch verschiedene Artikel in den Printmedien und Fernsehbeiträge. Und wer bewusst beobachtet, wie die Schönheit unserer alten Stadtteile allmählich gezwungenermaßen unter den aufgeklebten Dämmstoffen verschwindet, dem sträuben sich die Haare!

Aus meiner Sicht sind wir längst am Ende dieser Einspartechnik angelangt. Wir müssen dringend nach anderen Lösungen für unser innenräumliches Wohlbefinden suchen. Und da kommen wir auf Heizverfahren unserer Vorväter zurück. Verfahren, die schon die Römer beim Bau ihrer Badehäuser angewendet hatten und die uns aus den Altbauwohnungen noch bekannt sind: warm strahlende Bauteile. Mit der Hypokausten- Heizung der Römer wurden die Wandflächen erwärmt, die dann die Wärme als Strahlung in den Raum abgaben. Von den Altbauwohnungen kennen wir die Kachelöfen (auch Kachelgrundöfen), die ebenfalls über die aufgeheizten Kacheln Heizwärme abstrahlten, allerdings wegen der kleineren Fläche mit höherer Temperatur. Und nun kommen Effekte hinzu, die vielen Mitmenschen nicht (nicht mehr) geläufig sind:

  • – Die Wärmestrahlung erwärmt zunächst die Raumluft nicht. Diese bleibt also angenehm „frisch“ und es lässt sich leichter Atmen.
  • – Die kühlere Luft selbst enthält weniger Energie, so dass beim Lüften auch weniger verloren geht. Die „Lüftungshemmung“ kann entfallen.
  • – Die kühlere Luft enthält auch weniger Feuchtigkeit und fördert damit das gesunde „trockene Wohnen“.
  • – Die angestrahlten Bauteile und Möbel werden oberflächig erwärmt. Auf einer Wand kann dadurch kein Schimmel entstehen.
  • – Strahlungswärme ist die „Urwärme“, die uns Wohlbefinden beschert; wir legen uns in die Sonne, weil wir das als angenehm empfinden, wenn unsere Haut so bestrahlt wird.
  • – Strahlungswärme entweicht auch nicht durch Glasscheiben, da diese den größten Teil der Strahlung nicht hindurchlassen.
  • – Strahlungswärme führt nicht zu intensiven Luftbewegungen im Raum; im Gegensatz zu den Konvektor-Heizkörpern, die zugleich den Staub von unten aufnehmen, erhitzen und ihn nach oben in die Atemluft ausblasen.
  • – Strahlungswärme ist rasch verfügbar. Sobald die „Strahlplatte“ Wärme abgibt kann der Bewohner entscheiden, ob er sich näher, also intensiver wärmen lassen will oder eben weniger.
  • – Strahlungswärme benötigt keine langen Aufheizdauern. Und wenn ein Raum nicht (mehr) benutzt wird, dann kann er kühl bleiben und benötigt bestenfalls eine Grundheizlast (Mindesttemperierung).

Wenn es uns gelingt, mit Hilfe gut funktionierender Strahlungsheizsysteme unsere Wohngebäude auszustatten, können wir die Abwesenheitstemperatur deutlich absenken. Denn es kann nicht sein, dass wir den immer größer werdenden Wohnflächenanteil pro Kopf ständig auf + 18 °C oder gar 21 °C warm halten, wenn wir gar nicht zu Hause sind. Dann spart auch die dickere Dämmung nichts, denn sie lässt die Wärme ja auch hindurch, nur eben langsamer! Strahlungsheizsysteme werden künftig unsere Energie vergeudenden „Warmlufterzeuger“ ablösen!